Theaterpreis
Berlin
Der Theaterpreis Berlin ist erstmalig 1988 aus Anlass des 25-jährigen Bestehens des Berliner Theatertreffens vergeben worden. Der Preis wird seither jährlich im Rahmen des Theatertreffens in Berlin von der Stiftung Preußische Seehandlung verliehen und ist mit 20.000 Euro dotiert.
Der Theaterpreis Berlin dient der Auszeichnung einer Person oder mehrerer Personen, die sich in besonderer Weise durch ihr Lebenswerk oder herausragende Einzelleistungen um das deutschsprachige Theater verdient gemacht haben.
Über die Vergabe des Preises entscheidet eine Jury aus drei Mitgliedern. Ein Mitglied der Jury gehört zugleich der Theatertreffen-Jury an. Der Jury gehört außerdem eine Vertreterin oder ein Vertreter der Berliner Festspiele GmbH als beratendes Mitglied an. Die Jury hat das Recht, sich gegen die Verleihung eines Preises auszusprechen, wenn von ihr keine Preisträgerin bzw. kein Preisträger ermittelt werden konnte. Die Entscheidung der Jury ist endgültig, sie erfolgt unter Ausschluss des Rechtsweges. Mitglieder der Jury oder deren Angehörige können selbst nicht Preisträgerin oder Preisträger sein. Bewerbungen um den Preis sind ausgeschlossen.
Begründung der Jury
Mit ihren Stücken, Aufführungen und Auftritten haben Lina Majdalanie und Rabih Mroué in den vergangenen 25 Jahren die Sprache des zeitgenössischen Theaters maßgeblich erweitert, verschönert und präzisiert. Ihre Autor*innenschaft ist antiautoritär, ihr Ausdruck minimalistisch, ihre Form maximal poetisch. Ihr subtiler Humor erst ermöglicht die tiefe Ernsthaftigkeit ihres Werkes. Und ihre radikale Subjektivität in der analytischen Darstellung und persönlichen Interpretation historischer wie aktueller Ereignisse, Konflikte und Krisen insbesondere im Libanon entfaltet eine große, irritierende und mitunter verstörende politische Kraft, die den ästhetischen und performativen Anlass ihrer künstlerischen Arbeit, zumeist in Gestalt ihres bevorzugten Formats von Lecture Performances oder »nicht-akademischer Vorträge«, hell erleuchten und mitunter implodieren lässt.
Oftmals ausgehend von Fotografien, Filmausschnitten und anderen anlassstiftenden Materialien und Recherchen, die historische Ereignisse und persönliche Erlebnisse miteinander konfrontieren, überblenden oder verschmelzen, loten sie in ihrem künstlerischen Werk die Erfahrungsräume zwischen individuellen Geschichten und «offizieller« Geschichtsschreibung aus. Sie markieren diese als Zwischenräume, als vielseitig manipulierbare, ausgedehnte oder verbarrikadierte Orte zwischen Selbstbestimmung und Zuschreibung, Differenzierung und Stereotyp, Leben und Tod. In Form von szenischen Selbstbefragungen, dialogischen Infragestellungen oder subtilen Wechselspielen unternehmen sie fallenstellerisch pseudodidaktische und zugleich dezidiert antikoloniale Versuche über Wahrheit. War die inhaltliche und ästhetische Auseinandersetzung mit dem Bürgerkrieg im Libanon Ausgangspunkt vieler früher Theaterperformances der beiden in Beirut geborenen Künstler*innen, können spätestens seit ihrer Übersiedlung nach Berlin vor 12 Jahren auch deutsche oder »westliche« Ereignisse im Fokus ihrer Arbeit stehen, so zuletzt in ihrer Produktion »Four Walls and a Roof« (2024), die Bertolt Brechts Exil in den USA und seine Befragung vor dem »Ausschuss für unamerikanische Umtriebe« 1947 auf der Folie der eigenen Exilerfahrung im Berlin der Gegenwart reflektiert.
Die Kunst von Lina Majdalanie und Rabih Mroué kann uns sehend machen, freischwebend begreifen lassen in einem dunklen Kosmos aus Komplexitäten, Interdependenzen, unendlichen Sichtweisen und Möglichkeiten. Erhellt wird er nur durch die empathische Intelligenz dieser beiden Weggefährt*innen, deren vertraute Gestalt und Stimmen uns ein bergendes Geleit geben, weil sie uns zugleich die Angst zu nehmen imstande sind, die sie uns in ihren Werken eben machen müssen. So haben sie mit ihrer Arbeitsweise und Ästhetik gerade auch auf das deutschsprachige Theater eine nachhaltige Wirkung entfaltet und machen sich um dessen fortschreitende Entwicklung und Horizonterweiterung besonders verdient. Für ihr künstlerisches Lebenswerk werden sie deshalb auf Beschluss der Jury durch den Regierenden Bürgermeister mit dem Theaterpreis Berlin 2026 der Stiftung Preußische Seehandlung ausgezeichnet.
Die Jury
Nora Hertlein-Hull, Matthias Pees, Martin Thomas Pesl, Annemie Vanackere
Berlin, im Februar 2026
Die Verleihung findet am 02. Mai 2026 im Haus der
Berliner Festspiele statt.
Die Verleihung findet am 04.05.2025 im Haus der Berliner Festspiele statt.
12.05.2024
Haus der Berliner Festspiele
20.05.2023
Haus der Berliner Festspiele
22.05.2022
Haus der Berliner Festspiele
16.05.2021
Haus der Berliner Festspiele
05.05.2019
Haus der Berliner Festspiele
05.05.2018
Haus der Berliner Festspiele
07.05.2017
Haus der Berliner Festspiele
15.05.2016
Haus der Berliner Festspiele
10.05.2015
Haus der Berliner Festspiele
03.05.2014
Haus der Berliner Festspiele
05.05.2013
Haus der Berliner Festspiele
05.05.2012
Haus der Berliner Festspiele
08.05.2011
Deutsches Theater Berlin
09.05.2010
Deutsches Theater Berlin
03.05.2009
Deutsches Theater Berlin
18.05.2008
Haus der Berliner Festspiele
06.05.2007
Haus der Berliner Festspiele
21.05.2006
Haus der Berliner Festspiele
15.05.2005
Komische Oper Berlin
10.05.2004
Haus der Berliner Festspiele
keine öffentliche Verleihung
09.05.2002
Berliner Ensemble
08.05.2001
Spiegelzelt am Haus der Berliner Festspiele
07.05.2000
Spiegelzelt beim Schiller-Theater
02.05.1999
Spiegelzelt beim Schiller-Theater
15.05.1998
Schaubühne am Lehniner Platz
11.05.1997
Schiller-Theater
05.05.1996
Berliner Ensemble
25.05.1995
Deutsches Theater
15.05.1994
Spiegelzelt beim Deutschen Theater
02.05.1993
Spiegelzelt bei der Freien Volksbühne
24.05.1992
Spiegelzelt bei der Freien Volksbühne
12.05.1991
Spiegelzelt bei der Freien Volksbühne
17.05.1990
Schiller-Theater
24.05.1989
Schaubühne am Lehniner Platz
15.05.1988
Spiegelzelt bei der Freien Volksbühne